Freitag, 13. August 2010

Was kommt nach dem Gipfel?

Frankfurt Fashion lässt Revue passieren, und gibt einen Ausblick auf das, was kommt. Web 2.0 adé?

Irgendwann ist der Zenit erreicht, der Gipfel gestürmt, das Fass voll. Ja, und so ist das auch irgendwie mit den Modeblogs. Die Lawine der Modeblogs hat längst das Tal erreicht, die Aufräumarbeiten beginnen. Wie alles Anfing, was passierte, was kommt, was bleibt 

Die Anfänge 
Frankfurt Fashion wurde wirklich an einem sonnigen Nachmittag gegründet. Circa gegen 16:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt blinzelte ich in die Sonne, freute mich über den noch freien Namen Frankfurt Fashion und war mir zu keiner Zeit bewusst, was ein paar unbedachte Klicks bewirken können. Ich spielte an den Layouteinstellungen herum, verfasste eine Einleitung und hoffte, ja, ich hoffte wirklich, im Netz irgendwie gefunden zu werden. SEO, dieser Begriff berührte nicht im entferntesten meinen Dunstkreis. Zumindest nicht in dieser Zeit. Ich hatte also in diesem Moment zwei Dinge: Ein Blogspot Account und die Idee, Frankfurt so zu präsentieren, wie es in keinem Reiseführer steht. So wurden Kamera und Moleskine zu meinen ständigen Begleitern und jedes, aber jedes kleinste Detail versuchte ich festzuhalten und aufzuarbeiten. Manchmal überlegte ich, ob mir nicht irgendwann die Geschichten ausgehen, ob ich nicht doch mal ein Outfit posten soll. Irgendwann kam dann das erste Kommentar einer anderen Bloggerin. Mahret. Es kommentierte also irgendjemand Fremdes im Netz auf meinen Blog. Und wer das ist, das konnte ich dann auch gleich sehen, denn Mahret bloggte zu dieser Zeit bereits seit mehreren Monaten. Neugierig klickte ich mich durch das Leben einer anderen Person, die mir schon nach wenigen Einträgen sympathisch erschien (wir haben uns dann aber auch tatsächlich im echten Leben kennengelernt). Und höflich wie ich bin, hinterließ auch ich nun ein nettes Kommentar auf dem Blog der Berliner Studentin. Nach und nach kamen andere Blogger hinzu. Mutige, junge Studentinnen, die begannen, Mode zu kommentieren. Junge Frauen, die in einen Bereich vordrungen, der sonst nur professionellen Modejournalisten vorbehalten war. Man spannte sich mit genau diesen Verbündeten ein Netzwerk. Blogrolls. 

Die Routine
Und plötzlich wurde es zur Routine. Das bloggen. Es war egal, wo ich war, alles wurde akribisch festgehalten. Bei anderen kommentiert. Ausgetauscht. Das Moleskine hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine beachtliche Dicke durch das Sammeln von Flyern, Karten, Ausstellungseröffnungen und sonstigen Informationen erhalten, das es schweren Herzen ins Regal gestellt wurde und durch ein schickes Diktiergerät ersetzt wurde. Frankfurt Fashion entwickelte sich zu einer kleinen Plattform für all das kreative Leben. Mode. Musik. Kunst. Die Leserzahlen stiegen in die Höhe. 

Die PR Agenturen & Geschenke
Irgendwann entdeckten die ersten PR Agenturen und Firmen die Blogs als Multiplikatoren für ihre Produkte. Und die Blogger nahmen die Geschenke gerne an. Dass nicht jeder Blogger Geschenke bekam stellte sich früh raus. Große und bekannte Blogs wurden überhäuft, die Kleinen gingen leer aus. Das scheint ungerecht, ist es aber nicht, denn, wie im Fernsehen kostet die Platzierung der Werbung beim Endspiel nun mal eben einiges mehr als bei der Übertragung eines Regionalligaspiels. Darüber hinaus startete die Diskussion, ob man Blogs dann überhaupt noch ernst nehmen kann und ob das denn überhaupt "Journalismus" wäre. Auch die Diskussion Online oder Print - guter und schlechter Journalismus, war zu diesem Zeitpunkt heiss. Hätte ich etwas anderes studiert, ich würde heute gerne meine Doktorarbeit über dieses Thema schreiben. Auch Frankfurt Fashion hat Geschenke angenommen, Einladungen, freie Eintritte in den Lieblingsclub. Wieso auch nicht? Wieso? Es lag immer in meiner Hand zu selektieren. Jeder war frei. Und ist frei. Zu jedem Zeitpunkt. 

Was hat das Bloggen gebracht?
Heute schreibe ich im Print- sowie im Onlinebereich und gebe mein Wissen an Unternehmen für deren strategisches Handeln im Netz wieder (um es mal "grob" zu beschreiben). Begriffe wie Meta Tags gehören zu meinem täglichen Wortschatz, das 1x1 der Google Optimierung sage ich bald im Schlaf auf. Aber, bis dahin war es ein langer Weg, auf dem ich nicht selten auf Nichtverständnis gestossen bin. Wer heute denkt, er stellt einen Blog ins Internet und wird bekannt, bekommt Schreibaufträge und verdient Geld, den muss ich hiermit leider enttäuschen. Der Mut, mit zu den ersten zu gehören, wurde hier - und bei anderen - letztendlich belohnt. 

Was ist heute?
Für viele junge Mädchen ist bloggen heute ein Kanal, um Ideen und Kreativität mit Gleichgesinnten zu teilen. Der Wunsch, bekannt dadurch zu werden, ist für viele genauso ein Traum wie für mich Mitte der 90er Jahre MTV Moderatorin zu werden. Ich habe diesen Traum still gelebt, mich mit meiner besten Freundin ausgetauscht. Heute ist der Blog das Sprachrohr nach aussen und das birgt oftmals auch Gefahren. Junge Mädchen, ultraschlank, gestylt im Lolitalook abfotografiert.  Tägliche Outfitposts. Eine Spielwiese für "Perverse". Auf der anderen Seite die PR Agenturen. 16jährige Mädchen werden auf die FashionWeek eingeladen und finden sich plötzlich in einer Welt wieder, die vorher so fern war wie Afrika.

Was kommt morgen?
Die Flut der Blogs lässt einen den Überblick verlieren. Und an dieser Stelle greift die nächste Idee. Die nächsten Pioniere. Netzwerkbildung. Die LesMads machen es vor und versuchen, auf ihrem Blog Content zu vereinen. Das hat Sinn für den Leser, denn der bekommt nun alles auf einem Teller serviert, das hat Sinn für das Internet, denn das kommt somit wieder besser mit seinem Müllproblem zurecht, und, das hat Sinn für Konsumgüter, denn, die lassen sich darüber gut vermarkten. Das klingt ein wenig zynisch, ein wenig abneigend, nein, es soll aber nicht, denn, letztendlich möchten auch die Schreiber ihre Miete zahlen können. Und, seien wir mal ehrlich, Werbung gab es doch schon immer. Warum nicht jetzt in dieser Form. Die Unternehmen sind näher an den Konsumenten, als das sie je waren, und es bleibt für jeden die Entscheidung selber zu treffen, wann er den Computer ausmacht. 

Und was passiert mit Frankfurt Fashion?
Frankfurt Fashion bleibt. Ein wenig sarkastisch, ein wenig gemein, aber mit dem Herz an rechter Stelle. Ein wenig im Abseits. Immer beobachtend. Die Information für den Leser im Vordergrund. Wer sich jetzt durch diesen Text gelesen hat, neue Ideen hat, schreiben möchte, programmieren möchte oder sonst ein Teil des Ganzen werden hat jetzt die Möglichkeit, Frankfurt Fashion mit zu gestalten. Frankfurt Fashion freut sich über neue Ideen und Mitgestalter!

Kommentare:

Lynn and Horst hat gesagt…

schöne beobachtungen

Julie hat gesagt…

klingt gut, klingt ehrlich, klingt frankfurterisch. bleib genau so. denn ich selektiere auch, wen ich gerne weiter lese. und outfitposts interessieren mich nur, wenn mir todlangweilig ist. und gute, hinterfragende texte interessieren mich immer. viele grüße aus wi.

Laura hat gesagt…

Ein wunderbarer Abriss über die Entwicklung der Bloggersphäre.
Und als Frankfurter kann ich nur sagen bleibt wie ihr seid, um zu zeigen, das diese Stadt auch ein Wesen fern ab des allgemein bekannten Klischees besitzt!

Miri hat gesagt…

Hey!
Toller Artikel. Bringt das alles sehr schön auf den Punkt. Danke für die Beobachtung und DANKE, dass FrankfurtFashion bleibt!!!

gone hat gesagt…

hä, hast du jetzt das fashion bloggen erfunden?

judith-christina hat gesagt…

@gone: wenn du den text aufmerksam gelesen hast, dann wirst du erkennen, dass das a)beobachtungen sind, und b)ich darauf hinweise, dass es schon viele andere blogger davor gab - es geht hier darzustellen, dass derzeit modeblogs wie pilze aus dem boden sprießen und man sich einfach gedanken macht, welche informationen ein internetuser noch braucht und wie man diese geschickt filtern kann, bzw. diese wieder sinnvoll zusammenfügt (siehe les mads netzwerk). es sind subjektive beobachtungen...

blica hat gesagt…

merci bien für den schönen rückblick. witzig, mir ist gerade nämlich auch nach einem grundsatzpost. gibts ja nicht so viele von...

Anonym hat gesagt…

ein wenig sarkastisch, ein wenig gemein? wirklich? sonst treffend.