Sonntag, 11. April 2010

Tom Ford "A Single Man"

Tom Ford inszeniert „A Single Man“ als melodramatisches Gesamtkunstwerk, das zentrale Problematiken von Menschen im allgemeinen und zeitgeschichtliche Probleme der amerikanischen Gesellschaft thematisiert: Die Frage nach dem Sinn des Daseins, das Problem des Älterwerdens, der verzweifelte Versuch an der Vergangenheit festzuhalten, die Homosexualität in den prüden 60ern der USA und der Umgang mit der Angst. Zentrales Thema ist aber das Leben nach dem Verlust der Großen Liebe und die damit verbundene Depression. Die perfekte ästhetische Inszenierung jeder einzelnen Szene ist das eigentliche Kunstwerk, was Tom Ford vollbracht hat. Jedes Set kann als Modefotografie in einer Zeitschrift gedruckt oder als zeitgeschichtliches Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft der 60er Jahre im Museum hängen. Von der Kleidung über die Architektur, die Accessoires bis hin zum Styling hat Tom Ford die wichtigsten Prototypen der amerikanischen Kultur- und Modegeschichte der 60er Jahre wiederaufleben lassen. Eine unglaublich tiefe Melancholie und Dramatik ist durch die Mischung der Abfolge von Ereignissen aus der Gegenwart, aus der Traumwelt und aus der Vergangenheit des Lebens der Hauptsfigur entstanden. Ein Albtraum in Zeitlupe, der den bittersüßen Schmerz des Verlustes auf eine subtile Art veranschaulicht.
Text: Karolina Dudik

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